Was sind eigentlich ECTS-Punkte?

ECTS, LP, CP – Durchblick im Abkürzungsdschungel

Gastbeitrag von Marco Grassel, Zentrale Studienberatung Universität Heidelberg

Du stehst gerade vor der Entscheidung, wo du studieren möchtest und alles ist mega verwirrend? Abkürzungen ohne Ende und Begriffe, die du noch nie gehört hast? Keine Sorge! Du bist damit nicht allein und vieles davon klärt sich an der Uni bzw. Hochschule von selbst.

Für deine Studienorientierung ist es allerdings nützlich, einige Begriffe schon vorab zu kennen. Deshalb möchte ich dir in diesem Blogartikel erklären, was ECTS-Punkte sind und wie dir dieses Wissen bei der Wahl eines Studiums helfen kann.

Was bedeuten diese drei Abkürzungen ECTS, LP, CP?

ECTS-Punkte, LP und CP sind Abkürzungen für die sogenannten Leistungspunkte (LP), die an Universitäten und Hochschulen für das Bestehen von Prüfungsleistungen – z.B. Klausuren – vergeben werden. Die Leistungspunkte werden häufig auch Creditpoints (CP) genannt.

Die technisch korrekte Bezeichnung lautet ECTS-Punkte, was für European Credit Transfer System-Punkte steht. Der Zweck dieser ECTS-Punkte besteht darin, “die Anerkennung von im In- und Ausland erbrachten Studienleistungen [zu] erleichtern.” (siehe hier)

Die Vergleichbarkeit vereinfacht z.B. den länder-übergreifenden Wechsel zu einer anderen Universität – z.B. wenn eine Studierende in Utrecht (Holland) einen Bachelor gemacht hat und nun einen Master an der Universität Mannheim machen möchte.

Also: Ob ECTS, LP oder CP – alles meint das Gleiche: Punkte, die du für das Bestehen von Prüfungsleistungen erhältst.


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Wie bekommst du ECTS-Punkte?

Leistungspunkte werden unter anderem vergeben für

  • das Selbststudium (Vor- und Nachbereitung von Vorlesungen),
  • das Bestehen von Klausuren,
  • das Halten eines Referats,
  • das Schreiben einer Hausarbeit,
  • den Abschluss eines Pflichtpraktikums.

Es gibt auch eine explizite Entsprechung in Zeitstunden: Für 1 ECTS-Punkt kannst du in etwa 30 Stunden Arbeitsaufwand einkalkulieren. (siehe hier)

Da deine Professor*innen anders als in der Schule meistens nicht überprüfen, ob du zuhause fleißig die Vorlesungen vor- und nachbereitest, gibt es in der Regel eine pauschale Summe an ECTS-Punkten für das Bestehen der Klausur oder einer Hausarbeit, in die auch die Vor- und Nachbereitungszeit einkalkuliert ist. Allerdings kann es gerade am Anfang des Studiums sein, dass dein tatsächlicher Arbeitsaufwand – z.B. um für eine Klausur zu lernen – davon abweicht, je nachdem welche Vorkenntnisse du hast oder wie leicht es dir fällt, dir die Inhalte zu merken.

Modulübersicht für Bachelor 50% Anglistik in Heidelberg. Quelle:
Modulhandbuch.

Was sagen ECTS-Punkte über dein Studium aus?

Jeder Studiengang ist durch eine Gesamtsumme an Leistungspunkten definiert. Beispielsweise umfassen an der Universität Heidelberg die Bachelorstudiengänge i.d.R. 180 ECTS-Punkte, Masterstudiengänge i.d.R. 120 ECTS-Punkte. Diese Leistungspunkte geben Aufschluss über die Quantität deines Studiums, also die Menge dessen, was du tun musst, um deinen Abschluss zu erhalten – im Gegensatz zu den Noten, die etwas über die Qualität aussagen, also wie gut z.B. eine Klausur geschrieben wurde.

Konkret bedeutet das: Wenn eine Klausur in einem Studiengang 6 ECTS-Punkte gibt, bekommen alle Studierende, die mit einer Note zwischen 1,0 und 4,0 die Klausur bestehen, diese 6 ECTS-Punkte. Nur Studierende, die die Klausur nicht bestehen, erhalten keine Leistungspunkte und müssen die Klausur erneut schreiben – ggf. im darauffolgenden Semester.

Die 180 ECTS-Punkte eines Bachelorstudiums zeigen dir also allgemein den Arbeitsaufwand, den du betreiben musst, um zu deinem Abschluss zu gelangen – auch für die Bachelor-Arbeit erhältst du Leistungspunkte. Die Leistungspunktedarstellung gibt dir daher auch eine gute Übersicht über den Stand deines Studiums.

Was bedeutet das für dein (Wunsch-)Studium?

Bei einem Bachelor-Studiengang, der 180 ECTS-Punkte umfasst, wird meistens eine Regelstudienzeit von sechs Semestern angesetzt, also drei Jahre. Dementsprechend müsstest du pro Semester 30 ECTS-Punkte erwerben.

Dies ist vor allem für die Wahl deiner Vorlesungen und Seminare interessant oder wenn du dir ausrechnen möchtest, wie viel du noch zu tun hast, um dein Studium abzuschließen. Denn einerseits möchtest du wahrscheinlich nicht ewig brauchen, um zu deinem Studienabschluss zu kommen, aber andererseits auch ein Pensum wählen, das du gut bearbeiten kannst – schon nur 5 ECTS-Punkte mehr werden von Studierenden erfahrungsgemäß als höhere Arbeitsbelastung wahrgenommen, auch wenn es zunächst nach nicht viel klingt.

Deshalb: Wenn du vorhast, ein Studium aufzunehmen, orientiere dich an dem Durchschnittswert pro Semester und prüfe erst mal, wie gut du mit dem Pensum zurechtkommst. Meistens erhältst du auf den Einführungstagen ohnehin eine Empfehlung, an die du dich zunächst halten solltest. Schließlich haben andere die Erfahrung schon gemacht und im Semester darauf kannst du dir immer noch eine Vorlesung mehr draufschaufeln.

Achtung: Du solltest unbedingt einen Blick in die Modulhandbücher der Studiengänge werfen, für die du dich interessierst! Gerade zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Hochschulen bzw. Universitäten können Unterschiede hinsichtlich der Dauer und dem Umfang der einzelnen Studiengänge bestehen. Informiere dich darüber, wie lange die angesetzte Regelstudienzeit ist und wie viele Leistungspunkte der Studiengang umfasst.

Außerdem kannst du in die zum Teil online einsehbaren Vorlesungsverzeichnisse der Hochschulen schauen und herausfinden, wie viele Leistungspunkte für einzelne Lehrveranstaltungen vergeben werden. Auf diese Weise erhältst du ein gutes Bild davon, wie viele Klausuren oder Hausarbeiten du möglicherweise pro Semester schreiben musst. Außerdem lernst du dadurch natürlich die Inhalte des Studiums vorab kennen.

Doch Vorsicht: Hierbei ist es leicht, sich zu verzetteln! Deshalb suche dir eine überschaubare Zahl an Studienfächern aus, damit deine Recherche nicht ins Uferlose läuft und eine effektive Entscheidungsgrundlage darstellt.

Fazit

Mit Hilfe der Leistungspunkte-Darstellung kannst du einen guten Einblick in den Umfang eines Studiums gewinnen und dir in etwa ausrechnen, was pro Semester auf dich zukommt. Denn in ihrer Summe stellen sie den Gesamtumfang an Leistung dar, die du im Lauf eines Studiums einschließlich dessen Abschluss(-arbeit) erbringen musst. Wenn du möchtest, kannst du während deines Studiums aber auch mehr Leistungspunkte machen – einfach aus Interesse oder weil es für deine Studien- und Berufspläne sinnvoll ist.

Der positive Nebeneffekt für die Studienorientierung: Du beschäftigst dich automatisch auch mit den Inhalten des jeweiligen Faches, wenn du z.B. in ein Modulhandbuch reinschaust.

Allerdings kann die individuelle Studienerfahrung auch von der Aufwandseinschätzung durch Leistungspunkte abweichen: So kann es passieren, dass du bei zwei Klausuren, die beide jeweils 6 ECTS-Punkte geben, den Arbeitsaufwand der einen als höher empfindest als den der anderen – trotzdem gibt’s in beiden Fällen 6 ECTS-Punkte.

Über den Autor:

Marco Grassel (1. Staatsexamen Philosophie, Germanistik) hat an der Universität Heidelberg Philosophie und Germanistik studiert und arbeitet seit mehreren Jahren in der Zentralen Studienberatung der Universität Heidelberg. Im letzten Semester hat er den Podcast „Storytime – Zeit für Unigeschichten“ produziert.